Zitate aus unseren Büchern...
"Wenn wir die Neuevangelisierung ernst nehmen, müssen wir den Sakramenten der Beichte und der Eucharistie wieder ihren gottgewollten Platz im christlichen Leben zurückgeben"
(Hw. Dr. Adolf Fugel, in: Glaubenskurs Beichte und Eucharistie, BENEDETTO VERLAG)
Dienstag, 17. April 2012
Dienstag, 3. April 2012
Die Frage nach dem Leid ist die grosse Frage der Menschheit
1) Die Frage nach dem Leid ist die grosse
Frage der Menschheit
Worin liegt die große Aussage des Emmausganges?
Es ist dies auf der einen Seite der rat- und rastlose Gang des Glaubensschwachen und auf der anderen der ruhige, starke, nachhaltige Trost des unerschütterlichen Glaubens, der anspornt und zu den Aposteln zurückführt (vgl. Lk 24,34). Zwei Jünger!
Ganze Menschenheere gehen seither denselben Weg und fragen nach dem Sinn des Leidens. In der Frage Jesu: "Mußte nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?" (Lk 24,26) liegt der Universalschlüssel zum Glauben an die Erlösung überhaupt. Die Frage nach dem Leid ist die grosse Frage der Menschheit.Sie bedrängen uns: Wie kann das Leiden des Gottessohnes mit dem in der hl. Nacht der Geburt zu Bethlehem gepriesenen "Friedensfürst" (vgl. Lk 1,32; 2,14) in Einklang gebracht werden? Ist der Friede nicht jener Zustand, in dem das Leid aufhört? Warum gibt es das Leid, wo uns doch Christus erlöst hat?Gott hat das Chaos, das Leid nicht gewollt. Wenn es dennoch da ist, dann ist dies ein Zeichen dafür, daß die Welt noch nicht vollständig ins Reich Gottes heimgeholt ist. Hinzu kommt des Menschen freier Wille, der so frei ist, daß er sich auch gegen seinen Schöpfer wenden kann. Nur weil der Mensch sich auch gegen Gott entscheiden kann, hat seine Entscheidung für das Gute einen unendlichen Wert. Sünde heißt Unordnung; und Unordnung gebiert Leid, Tod. Hierzu sagt Paulus, daß Gott seinen Sohn in der Fülle der Zeiten "unter das Gesetz gestellt hat, um die unter dem Gesetz Stehenden zu erlösen, damit wir an Kindes Statt angenommen werden" (vgl. Gal 4,4). In der hl. Messe bekennen wir, daß Jesus uns in allem gleich wurde, "außer der Sünde". Da aber "die Kraft der Sünde das Gesetz ist" (1 Kor 15,56), das Gesetz also - und mit ihm auch die Gesetzlosigkeit - erst durch die Sünde des Menschen Anteil wurde, hat uns Jesus in erster Linie "von dem Fluch des Gesetzes erlöst" (Gal 3,13), das heißt, er hat die Unordnung, die durch die Sünde auf uns zukam und Leid und Tod brachte, durch sein Leiden in exemplarischer Weise ein für allemal beseitigt. Zugleich hat er uns aufgerufen, seine Jünger zu sein und die von ihm begonnene Erlösung bis zum Ende der Welt in seinem Sinne fortzusetzen; er forderte uns auf, unser "Kreuz auf uns zu nehmen und ihm nachzufolgen" (vgl. Mt 10,38 und 16,24).
Mußte Jesus nicht all das erleiden?
Eindeutig ja! Denn wollte er den ganzen Menschen erlösen, mußte er auch ganz Mensch werden, ausgenommen die Ursünde und in deren Folge die persönliche Sünde, jedoch mit der Möglichkeit, von der Sünde versucht zu werden (vgl. Mt 4,1-11), die Konsequenzen der Unordnung, die sich durch den Sündenfall in die Schöpfung einnistete, also Leid und Tod, ertragen können und menschlicher Mühsal, Erfolglosigkeit, Enttäuschungen, also auch seelischem, nicht nur körperlichem Leid, unterworfen sein. Und Jesus nahm reichlichen Anteil an allem, um uns von allem zu erlösen. Erlösung darf jedoch nicht so verstanden werden, daß sie mit der Kreuzigung beendet wurde; diese war die alleingültige Genugtuung vor dem himmlischen Vater für die Trennung von ihm in der Sünde und zugleich der Aufruf zur Christusnachfolge in der Kreuzesnachfolge, damit die Erlösung zur Vollendung gelange in der Bekämpfung der Unordnung der Sünde bis ans Ende der Zeiten. Dadurch werden alle folgenden Generationen am erhabenen Werk der Erlösung und Vollendung der Welt teilhaben und "in die Herrlichkeit eingehen" (vgl. Lk 24,26).
2) Eins ist der Vater und der Sohn und der Heilige Geist
Christus hat von Beginn seiner Tätigkeit an eine Kirche gewollt und ihre Fundamente mit der Berufung, der Aussendung und der Ausstattung der Apostel mit Vollmachten grundgelegt. Der größte Teil seiner biblisch überlieferten Aussagen wären sinnlos, hätte er nicht klar und deutlich eine um ihn, als das geistige Haupt seiner Kirche, gescharte Menschenmenge gewollt. Ist nun Christus der Stifter der Kirche und spendet die Kirche seine Sakramente, so besteht zwischen beiden, der Kirche und Christus, eine so innige Verbindung, daß Christus und die Kirche gleichsam eine mystische Person bilden (Thomas von Aquin, S.th.II 48,2ad1). Christus identifiziert sich förmlich mit seiner Kirche und ihren Gliedern, wenn er als der kommende Weltenrichter spricht: "Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben..." (Mt 25,35f.) oder wenn er zu Saulus spricht: "Saul, Saul, warum verfolgst du mich?" (Apg 9,4). Augustinus sagt in Anlehnung an ein Wort des Apostels (1Kor 12,12): "Christus (= die Kirche) predigt Christus (=den Erllöser), der Leib predigt sein Haupt und das Haupt nützt seinem Leib" (Ser.345,1). Nach Augustinus sind die Getauften nicht Christen, sondern Christus geworden: "Wir wollen uns Glück wünschen und Dank sagen, daß wir nicht bloß Christen geworden sind, sondern Christus. Staunet, freuet euch, Christus sind wir geworden. Denn wenn jener das Haupt ist, wir die Glieder, dann ist der ganze Leib Er und wir!" (In Joan.tr.21,8). Wie Christus nun das Haupt der Kirche ist, so ist der Heilige Geist ihre Seele (Leo XIII., Divinum illud, 1897). Inhaltlich besagt dies, daß der Hl. Geist, „ähnlich wie die Seele im Leib, Wesens- und Lebensprinzip der Kirche ist, der ihr von Christus versprochen und gesendet wurde und in ihr innewohnt. Er ist es, der die Glieder mit dem Haupt und untereinander verbindet. Er ist es, der die Kirche in der unfehlbaren Wahrheit leitet und lenkt und sie dem Zweiten Kommen Christi entgegenführt. Er ist es, der die von Christus in der Erlösung erworbenen Gnaden in seiner Heilstätigkeit den Gliedern mitteilt und sie zur Heiligung und Heiligkeit heranreifen läßt“ (vgl. Lumen gentium 4 und 7). Biblisch grundgelegt ist die Lehre vom Heiligen Geist als Wesensprinzip der Kirche in zahlreichen Aussagen der hl. Schrift, wenn sie über sein inneres, verborgenes Wirken redet. Er bleibt an Jesu Statt für alle Zeiten bei den Jüngern (Joh14,16); er wohnt in ihnen wie in einem Tempel (1 Kor 3,16; 6,19); er verbindet sie alle zu einem Leib (1 Kor 12,13); er lehrt sie alles und erinnert sie an alles, was Jesus gesagt hat (Joh 14,26; 1 Joh 2,27); er legt Zeugnis über Jesus ab (Joh 15,26) und führt in alle Wahrheit ein (Joh 16,13); er redet aus ihnen, wenn sie vor Gericht gestellt werden (Mt10,20); er hilft, das den Aposteln anvertraute Glaubensgut zu bewahren (2 Tim 1,14); er verleiht die außerordentlichen Gnadengaben und teilt einem jeden zu, wie er will (1 Kor 12,11); er gestaltet den Christen zu einer Wohnung Gottes (Eph 2,22); er bewirkt die Sündenvergebung (Joh 20,22.23), die Neugeburt aus dem Glauben (Joh 3,5.8) und die geistige Erneuerung (Tit3,5); er schenkt in der Kirche die Gotteskindschaft (Röm 8,15); er bringt die christlichen Tugenden hervor (Gal 5,22); er setzt die kirchlichen Vorsteher ein (Apg 20,28); er nimmt sich unserer Schwachheit an und tritt für uns beim Vater ein (Röm 8,26); schließlich werden wir durch ihn ermuntert und von ihm unterstützt, Gott als unseren Vater anzurufen: in ihm rufen wir "Abba, Vater!" (Gal 4,6).
Werfen wir noch einen Gesamtblick auf die allerheiligste Trinität.
Im großen Glaubensbekenntnis der hl. Messe bekennen wir: "Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten." Christus hat die "numerische" Einheit mit seinem Vater bezeugt: "Ich und der Vater sind eins!" (Joh 10,30). Schon auf dem Konzil von Nizäa (325) wurde die "numerische Wesenseinheit des Dreieinigen Gottes" als Dogma definiert. Das liturgische Leben der altchristlichen Kirche bekennt sich seit den Anfängen zur Trinitätsformel bei der Taufe. So schreibt bereits die Didache („Die Lehre der Zwölf“, in c.7): "Was die Taufe angeht, tauft folgendermaßen: Nachdem ihr das alles vorher mitgeteilt habt, tauft auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes in lebendigem Wasser... gieße über den Kopf dreimal Wasser aus auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes... gebiete, daß der Täufling vorher ein oder zwei Tage fastet." Ähnlich lautet auch das Zeugnis sämtlicher alter Kirchenväter (vgl. Justin, Apologia I.61; Irenäus, Adv.haer.III.17,1; Tertullian, De baptismo 13; Origenes, In ep. ad Rom. 5,8; Cyprian, Ep. 73,18). Nicht zu vergessen ist hier das apostolische Glaubensbekenntnis, das klar und eindeutig von Gott, dem Vater, dem Schöpfer des Himmels und der Erde; von Jesus Christus, seinem eingeborenen Sohn, unserem Herrn und vom Heiligen Geist spricht; von dem dreifaltigen Gott, den man als einen Gott in Drei Personen bekennen muß. Noch zu Lebzeiten des Apostels Johannes schreibt der Nachfolger Petri in Rom, Klemens Romanus, an die Gemeinde von Korinth (um 96): "Haben wir nicht einen Gott und einen Christus und einen Geist der Gnade?" Im folgenden bezeichnet er dann Gott und den Herrn Jesus Christus und den Heiligen Geist als den Glauben und die Hoffnung der Auserwählten (58,2).So kann, gestützt auf die Worte Jesu, dann aber auf das Zeugnis der ersten Christen über deren Trinitätsverständnis, die seit den Anfängen des Christentums von der Kirche gelehrte Offenbarungswahrheit als fester Glaube bekannt werden, daß Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist, verschieden in den Personen, einig in der Wesenheit, ein einig-dreifaltiger Gott ist. Diese Lehre ist Grund und Ursprung jener Ehre, die wir Gott schulden. Und so beginnt das kurze Gebet zur Ehre der Dreifaltigkeit: "Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste!" Er, der Anfanglose, "der Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge" (Glaubensbekenntnis), hat in der Fülle der Zeit seinen Eingeborenen Sohn zu den Menschen gesandt, damit unsere Zeit in Ihm ihre Vollendung finde und wir, durch Jesu Tod und Ausferstehung erlöst von der Unordnung der Sünde und ausgestattet mit den Gnadengaben des Heiligen Geistes, eingehen können in das Reich seiner Herrlichkeit in der Auferstehung: "Wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit, und in Ewigkeit!"
Amen - so glauben und bekennen wir!
Worin liegt die große Aussage des Emmausganges?
Es ist dies auf der einen Seite der rat- und rastlose Gang des Glaubensschwachen und auf der anderen der ruhige, starke, nachhaltige Trost des unerschütterlichen Glaubens, der anspornt und zu den Aposteln zurückführt (vgl. Lk 24,34). Zwei Jünger!
Ganze Menschenheere gehen seither denselben Weg und fragen nach dem Sinn des Leidens. In der Frage Jesu: "Mußte nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?" (Lk 24,26) liegt der Universalschlüssel zum Glauben an die Erlösung überhaupt. Die Frage nach dem Leid ist die grosse Frage der Menschheit.Sie bedrängen uns: Wie kann das Leiden des Gottessohnes mit dem in der hl. Nacht der Geburt zu Bethlehem gepriesenen "Friedensfürst" (vgl. Lk 1,32; 2,14) in Einklang gebracht werden? Ist der Friede nicht jener Zustand, in dem das Leid aufhört? Warum gibt es das Leid, wo uns doch Christus erlöst hat?Gott hat das Chaos, das Leid nicht gewollt. Wenn es dennoch da ist, dann ist dies ein Zeichen dafür, daß die Welt noch nicht vollständig ins Reich Gottes heimgeholt ist. Hinzu kommt des Menschen freier Wille, der so frei ist, daß er sich auch gegen seinen Schöpfer wenden kann. Nur weil der Mensch sich auch gegen Gott entscheiden kann, hat seine Entscheidung für das Gute einen unendlichen Wert. Sünde heißt Unordnung; und Unordnung gebiert Leid, Tod. Hierzu sagt Paulus, daß Gott seinen Sohn in der Fülle der Zeiten "unter das Gesetz gestellt hat, um die unter dem Gesetz Stehenden zu erlösen, damit wir an Kindes Statt angenommen werden" (vgl. Gal 4,4). In der hl. Messe bekennen wir, daß Jesus uns in allem gleich wurde, "außer der Sünde". Da aber "die Kraft der Sünde das Gesetz ist" (1 Kor 15,56), das Gesetz also - und mit ihm auch die Gesetzlosigkeit - erst durch die Sünde des Menschen Anteil wurde, hat uns Jesus in erster Linie "von dem Fluch des Gesetzes erlöst" (Gal 3,13), das heißt, er hat die Unordnung, die durch die Sünde auf uns zukam und Leid und Tod brachte, durch sein Leiden in exemplarischer Weise ein für allemal beseitigt. Zugleich hat er uns aufgerufen, seine Jünger zu sein und die von ihm begonnene Erlösung bis zum Ende der Welt in seinem Sinne fortzusetzen; er forderte uns auf, unser "Kreuz auf uns zu nehmen und ihm nachzufolgen" (vgl. Mt 10,38 und 16,24).
Mußte Jesus nicht all das erleiden?
Eindeutig ja! Denn wollte er den ganzen Menschen erlösen, mußte er auch ganz Mensch werden, ausgenommen die Ursünde und in deren Folge die persönliche Sünde, jedoch mit der Möglichkeit, von der Sünde versucht zu werden (vgl. Mt 4,1-11), die Konsequenzen der Unordnung, die sich durch den Sündenfall in die Schöpfung einnistete, also Leid und Tod, ertragen können und menschlicher Mühsal, Erfolglosigkeit, Enttäuschungen, also auch seelischem, nicht nur körperlichem Leid, unterworfen sein. Und Jesus nahm reichlichen Anteil an allem, um uns von allem zu erlösen. Erlösung darf jedoch nicht so verstanden werden, daß sie mit der Kreuzigung beendet wurde; diese war die alleingültige Genugtuung vor dem himmlischen Vater für die Trennung von ihm in der Sünde und zugleich der Aufruf zur Christusnachfolge in der Kreuzesnachfolge, damit die Erlösung zur Vollendung gelange in der Bekämpfung der Unordnung der Sünde bis ans Ende der Zeiten. Dadurch werden alle folgenden Generationen am erhabenen Werk der Erlösung und Vollendung der Welt teilhaben und "in die Herrlichkeit eingehen" (vgl. Lk 24,26).
2) Eins ist der Vater und der Sohn und der Heilige Geist
Christus hat von Beginn seiner Tätigkeit an eine Kirche gewollt und ihre Fundamente mit der Berufung, der Aussendung und der Ausstattung der Apostel mit Vollmachten grundgelegt. Der größte Teil seiner biblisch überlieferten Aussagen wären sinnlos, hätte er nicht klar und deutlich eine um ihn, als das geistige Haupt seiner Kirche, gescharte Menschenmenge gewollt. Ist nun Christus der Stifter der Kirche und spendet die Kirche seine Sakramente, so besteht zwischen beiden, der Kirche und Christus, eine so innige Verbindung, daß Christus und die Kirche gleichsam eine mystische Person bilden (Thomas von Aquin, S.th.II 48,2ad1). Christus identifiziert sich förmlich mit seiner Kirche und ihren Gliedern, wenn er als der kommende Weltenrichter spricht: "Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben..." (Mt 25,35f.) oder wenn er zu Saulus spricht: "Saul, Saul, warum verfolgst du mich?" (Apg 9,4). Augustinus sagt in Anlehnung an ein Wort des Apostels (1Kor 12,12): "Christus (= die Kirche) predigt Christus (=den Erllöser), der Leib predigt sein Haupt und das Haupt nützt seinem Leib" (Ser.345,1). Nach Augustinus sind die Getauften nicht Christen, sondern Christus geworden: "Wir wollen uns Glück wünschen und Dank sagen, daß wir nicht bloß Christen geworden sind, sondern Christus. Staunet, freuet euch, Christus sind wir geworden. Denn wenn jener das Haupt ist, wir die Glieder, dann ist der ganze Leib Er und wir!" (In Joan.tr.21,8). Wie Christus nun das Haupt der Kirche ist, so ist der Heilige Geist ihre Seele (Leo XIII., Divinum illud, 1897). Inhaltlich besagt dies, daß der Hl. Geist, „ähnlich wie die Seele im Leib, Wesens- und Lebensprinzip der Kirche ist, der ihr von Christus versprochen und gesendet wurde und in ihr innewohnt. Er ist es, der die Glieder mit dem Haupt und untereinander verbindet. Er ist es, der die Kirche in der unfehlbaren Wahrheit leitet und lenkt und sie dem Zweiten Kommen Christi entgegenführt. Er ist es, der die von Christus in der Erlösung erworbenen Gnaden in seiner Heilstätigkeit den Gliedern mitteilt und sie zur Heiligung und Heiligkeit heranreifen läßt“ (vgl. Lumen gentium 4 und 7). Biblisch grundgelegt ist die Lehre vom Heiligen Geist als Wesensprinzip der Kirche in zahlreichen Aussagen der hl. Schrift, wenn sie über sein inneres, verborgenes Wirken redet. Er bleibt an Jesu Statt für alle Zeiten bei den Jüngern (Joh14,16); er wohnt in ihnen wie in einem Tempel (1 Kor 3,16; 6,19); er verbindet sie alle zu einem Leib (1 Kor 12,13); er lehrt sie alles und erinnert sie an alles, was Jesus gesagt hat (Joh 14,26; 1 Joh 2,27); er legt Zeugnis über Jesus ab (Joh 15,26) und führt in alle Wahrheit ein (Joh 16,13); er redet aus ihnen, wenn sie vor Gericht gestellt werden (Mt10,20); er hilft, das den Aposteln anvertraute Glaubensgut zu bewahren (2 Tim 1,14); er verleiht die außerordentlichen Gnadengaben und teilt einem jeden zu, wie er will (1 Kor 12,11); er gestaltet den Christen zu einer Wohnung Gottes (Eph 2,22); er bewirkt die Sündenvergebung (Joh 20,22.23), die Neugeburt aus dem Glauben (Joh 3,5.8) und die geistige Erneuerung (Tit3,5); er schenkt in der Kirche die Gotteskindschaft (Röm 8,15); er bringt die christlichen Tugenden hervor (Gal 5,22); er setzt die kirchlichen Vorsteher ein (Apg 20,28); er nimmt sich unserer Schwachheit an und tritt für uns beim Vater ein (Röm 8,26); schließlich werden wir durch ihn ermuntert und von ihm unterstützt, Gott als unseren Vater anzurufen: in ihm rufen wir "Abba, Vater!" (Gal 4,6).
Werfen wir noch einen Gesamtblick auf die allerheiligste Trinität.
Im großen Glaubensbekenntnis der hl. Messe bekennen wir: "Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten." Christus hat die "numerische" Einheit mit seinem Vater bezeugt: "Ich und der Vater sind eins!" (Joh 10,30). Schon auf dem Konzil von Nizäa (325) wurde die "numerische Wesenseinheit des Dreieinigen Gottes" als Dogma definiert. Das liturgische Leben der altchristlichen Kirche bekennt sich seit den Anfängen zur Trinitätsformel bei der Taufe. So schreibt bereits die Didache („Die Lehre der Zwölf“, in c.7): "Was die Taufe angeht, tauft folgendermaßen: Nachdem ihr das alles vorher mitgeteilt habt, tauft auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes in lebendigem Wasser... gieße über den Kopf dreimal Wasser aus auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes... gebiete, daß der Täufling vorher ein oder zwei Tage fastet." Ähnlich lautet auch das Zeugnis sämtlicher alter Kirchenväter (vgl. Justin, Apologia I.61; Irenäus, Adv.haer.III.17,1; Tertullian, De baptismo 13; Origenes, In ep. ad Rom. 5,8; Cyprian, Ep. 73,18). Nicht zu vergessen ist hier das apostolische Glaubensbekenntnis, das klar und eindeutig von Gott, dem Vater, dem Schöpfer des Himmels und der Erde; von Jesus Christus, seinem eingeborenen Sohn, unserem Herrn und vom Heiligen Geist spricht; von dem dreifaltigen Gott, den man als einen Gott in Drei Personen bekennen muß. Noch zu Lebzeiten des Apostels Johannes schreibt der Nachfolger Petri in Rom, Klemens Romanus, an die Gemeinde von Korinth (um 96): "Haben wir nicht einen Gott und einen Christus und einen Geist der Gnade?" Im folgenden bezeichnet er dann Gott und den Herrn Jesus Christus und den Heiligen Geist als den Glauben und die Hoffnung der Auserwählten (58,2).So kann, gestützt auf die Worte Jesu, dann aber auf das Zeugnis der ersten Christen über deren Trinitätsverständnis, die seit den Anfängen des Christentums von der Kirche gelehrte Offenbarungswahrheit als fester Glaube bekannt werden, daß Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist, verschieden in den Personen, einig in der Wesenheit, ein einig-dreifaltiger Gott ist. Diese Lehre ist Grund und Ursprung jener Ehre, die wir Gott schulden. Und so beginnt das kurze Gebet zur Ehre der Dreifaltigkeit: "Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste!" Er, der Anfanglose, "der Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge" (Glaubensbekenntnis), hat in der Fülle der Zeit seinen Eingeborenen Sohn zu den Menschen gesandt, damit unsere Zeit in Ihm ihre Vollendung finde und wir, durch Jesu Tod und Ausferstehung erlöst von der Unordnung der Sünde und ausgestattet mit den Gnadengaben des Heiligen Geistes, eingehen können in das Reich seiner Herrlichkeit in der Auferstehung: "Wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit, und in Ewigkeit!"
Amen - so glauben und bekennen wir!
Donnerstag, 29. März 2012
Grundzüge der atheistischen Gesellschaft
Grundzüge
der atheistischen Gesellschaft in einer
postkommunistischen
Analyse festgehalten
1. Ist der Atheismus überwunden?
Um es
gleich vorweg zu
nehmen: Die kommunististische
Gesell-
schaft, oder jene, die sich als das ausgaben, hat
ihren Namen zu
Unrecht getragen!
Vergleicht man die vita
communis der ersten
Christen - sie wurde durch den Glauben an den einen Herrn Jesus
Christus geprägt -, ist unschwer erkennbar, dass sie die ersten
"Kommune-Bewohner" waren. So lesen wir in Apg 2,42f.: "Die
Chri-
sten verharrten in der Lehre der
Apostel und in der brüderlichen
Gemeinschaft, im Brotbrechen und in den Gebeten. Alle
Gläubigge-
wordenen aber hatten alles miteinander gemeinsam. Sie verkauften
ihren Besitz, ihre Habe und
verteilten sie an alle, je
nachdem
einer bedürftig war." Beim Lesen dieser Stelle muss man zwangs-
läufig an den Kommunismus denken. Auch hier "verharrten" die
An-
hänger
"in der Lehre" ihrer
"Apostel" (Marx, Lenin, Stalin,
Mao,
um nur die profiliertesten dieses
"Apostelkollegiums" zu
erwähnen) und in einer spezifischen
Gemeinschaft, deren Ideologie
auf
dem (Glaubens)Bekenntnis des
Atheimus (Gott-Losigkeit) auf-
ruhte.
Nur in minimalster Weise bezog man sich auf
ein Wirt-
schaftssystem. Kommunismus
verstand sich immer in erster
Linie
als Religion, die
mit dem Anspruch der Ausschliesslichkeit auf-
trat,
bereit, wie im Bauernkrieg nach der Reformation, dem ande-
ren
beim kleinsten Widerstand den
Schädel zu zertrümmern. Ver-
gleicht man in diesem Sinne den Kommunismus mit der "Kommune"
(Gemeinschaft) der nachapostolischen Zeit, sind
die Parallelen
nur rein äusserlicher Natur.
Darum lautet heute die so aktuelle
Frage: Ist nur der Kommunismus
allein, oder
ist mit ihm auch der
Atheismus überwunden? Doch,
kann man beides voneinander trennen? War
nicht im Kommunismus
gerade der Atheismus die
staatstragende Religion, der alle Reli-
gionen
weichen sollten? Die
"Gläubiggewordenen" im
Kommunismus
wurden kurzerhand zu "Höriggewordenen", denen jede "brüderliche
Gemeinschaft" abging.
Hingegen die "Gläubiggewordenen" der Apo-
stel folgten der Lehre Christi, der
allein von sich sagen konnte:
"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!"
2. Atheismus - der Glaube ohne Gott
Was Religion ist, das wissen wir ja
alle: Religere = (lat). rück-
binden. Sich rückbinden lassen. Freiwillig angebunden sein. An
etwas.
An jemanden. An Normen. An
Schranken. Eine schrankenlose
Freiheit kennt
die
"Rückbindung-Religio"
nicht! Garantierte
Freiheit kann es nur in Schranken geben. Diesem philosophischen
Prinzip ist die Religion genau so wie
jede Ideologie unterworfen.
Jede Ideologie muss, wie
auch die Religio, von jedem
einzelnen
Menschen in
Freiheit bejaht werden.
Eine Ideologie, die die
natürlichsten Schranken
durchbricht - jene
Schranken, die
Allgemeingut des
Menschen sind: Gottesglaube, Sittlichkeit,
ewiges Leben -, verfällt in den Trancezustand der Hetze und der
Ablehnung, der Verfolgung des anderen und der totalen negativen
Einstellung, Verneinung des Lebens.
2.1. Kommunistische Ideologie und die
prozessweise Entwicklung
Wir sagten schon, dass Atheismus und Kommunismus sich
gegenseitig
bedingen; eins kommt ohne das andere nicht aus; schlägt
das eine
erst
einmal durch, zieht es das
andere bedingungslos mit sich.
Diese Erkenntnis bezieht sich in
erster Linie auf den Atheismus -
wie dann die Ideologie heisst, die
von ihm nachgezogen wird,
spielt
dabei keine Rolle. Und dies sind
die Wesensmerkmale der
kommunistischen Ideologie: Es tritt eine Partei an, die Gott ab-
schafft und dafür einen
Gottesstaat, eine Theokratie
ohne Gott
installiert. Kommunismus ist fortan
der einzige Weg für die Wahr-
heitsfindung, das einzige tragende Element, die Staatsreligion.
Der
Kommunismus kennt keine Horizonte,
die er erreichen will.
Vielmehr wird das sogenannte "prozessweise Vorgehen" zur Norm
gemacht, das
heisst: Ohne bestimmtes Ziel vor
Augen, wird von
Fall zu Fall entschieden. Da das Gesamtkonzept fehlt, wird man
sich mit den Fragmenten begnügen. Haben kommunistische Vordenker
erst
eine Staatsmacht in Händen, werden sie alles daransetzen,
die eben erwähnten Wesensmerkmale in
das alltägliche Leben einzu-
schleusen. Dies ist leicht möglich,
denn die "Proletarier", in
deren Namen sie zu regieren
vorgeben, sind durch Zwang und Ein-
schüchterung, durch Lächerlichmachen
und durch das Hinstellen als
die ewige Gestrigen ihrer Opposition
beraubt und schauen mut-
und lustlos dem Treiben jener zu, die schon lange nicht mehr den
Kontakt mit dem Volk pflegen,
geschweige denn suchen. Das Kreisen
um die eigene Ideologie und die totale Kontaktlosigkeit mit der
Basis
lässt sie langsam aber
sicher zu Diktatoren werden, die
sich zwar noch auf die ursprünglichen "Apostel" berufen, selbst
aber keine Ahnung von deren Schrifttum
und Gedankenwelt mehr ha-
ben.
(Leider können ähnliche Tendenzen der Beeinflussung des Ge-
wissens modernistischer Kreise zur
Zeit auch in der Kirche beob-
achtet
werden; das "prozessweise Vorgehen" wird heute
in der
Kirche schon offen propagiert! Das dies ein Irrweg ist in einer
Kirche, die an feste Lehrsätze
gebunden ist,
leuchtet jedem Menschen, mit der
Ausnahme modernistischer Kir-
chenzerstörer, sofort ein.) Wir erinnern
hier an die von den ver-
schiedensten "Staatschefs"
gebrauchte Theorie des "Sozialismus im
eigenen Lande", womit
man alle Abartigkeiten und jeden Terror
gegen die Menschlichkeit rechtfertigen
konnte.
Die Geschichte des Kommunismus von
Marx bis Gorbatschow ist be-
kannt.
Dennoch ist es wertvoll, jetzt, da viele meinen, der Kom-
munismus sei überwunden, eine Analyse
der Lehren dieser menschen-
verachtenden Ideologie zu machen.
Damit sich solch ein Irrsinn
nicht wieder etablieren kann, müssen die
Prinzipien, auf denen er
aufgabaut war, offengelegt werden. Es
ist zu befürchten, dass die
eine oder andere
Sicht der Dinge in den verschiedensten, wenn
auch abgewandelten Formen, von neuem
ihr Haupt erheben.
2.2. Zwei atheistische Stufen
Nach
der Lehre des
Marxismus-Leninimus macht die sogenannte
"nachrevolutionäre
Gesellschaft" (Marx und Lenin
standen seiner-
Zeit noch vor
"ihrer" Revolution) eine zweistufige Entwicklung
durch.
Die erste Phase ist
"sozialistisch"; die zweite, die
"kommunistische", erwächst aus der sozialistischen Agitation
von
selbst heraus.
In der ersten Phase werden die Produktionsmittel in das "Allge-
meingut" überführt
und die Menschen im Gewissen befreit. Wenn
bisher klerikale Vorstellungen von
Sünde, Gott und Erlösung das
Gewissen belasteten, so wird,
im real existierenden Sozialismus
das Gewissen von Sünde und Gott "befreit". Diese "Befreiung des
Gewissens vom
Mystizismus" (so hiess
der Gottglaube im
Kommunismus) konnte freilich auch durch Gewaltandrohung seitens
der
alleinherrschenden Partei erreicht
werden. Wollte jemand
sich diese "Befreiung" nicht angedeihen lassen, also kein
"neuer
sozialistischer Mensch"
sein, wurde er als geistesgestört be-
trachtet. Die was der Anfang der Einweisungen in psychaitrische
Kliniken von überzeugten
Christen, die es eher vorzogen, gefol-
tert,
als ihrem Gott untreu zu
werden. In der zweiten Phase,
dem real existierenden Kommunismus
sollte dann die formalrechtli-
che Güterverteilung zugunsten einer
freien und vollständigen Be-
dürfnisbefriedigung aufgegeben werden. Wie sehr der Kommunismus
mit seinem Prinzip der
"prozessweisen
Entwicklung" diesem Grun-
datz nicht entsprach bzw. gar nicht entsprechen konnte, da eine
"prozessweise Entwicklung" die
Möglichkeit eines angestrebten
Zieles gar nicht zulässt, mit der kommunistischen Gesellschaft -
dem
zweiten Schritt - jedoch eine
solche postuliert wurde, was
wiederum die ganze kommunistische Ideologie,
und mit ihr das
Wirtschaftssystem und das
Staatswesen, in dauernde Gegensätze
verstrickte, wurde erst richtig klar, als die erschreckende Not
der Völker nach dem Zusammenbruch der
Sowjetunion und der ange-
gliederten Satelliten-Diktaturen
offenbar wurde. Es zeigte sich in
der Tat, wie sehr
die Planer dieses irdischen
Paradieses nicht
nur an Gott, sondern an der Realität menschlichen
Zusammenlebens
vorbeiredeten.
Die hochtrabenden Prognosen von Marx
& Co erwiesen sich als Irr-
tümer, die in einer beispiellosen,
noch nie in der Geschichte der
Menschheit dagewesenen
katastrophalen Niederlage und im totalen
Zusammenbruch des Systems
endeten. Die Aufgabe aller Demokraten
ist
nun darauf viel
Aufmerksamkeit zu verwenden,
dass die
Ideologie, losgelöst von einem Schreckenssystem, nicht
von neuem
ihr Haupt erhebt, sei es in
staatlichen oder in kirchlichen Frei-
räumen! Sie würde erneut, durch viel Blut und Tränen Unschuldiger, nach viel Elend und Leid in
dieselbe Katastrophg führen.
Alle Welt muss sich zum Grundsatz
machen, um jeden Preis den An-
fängen einer solchen Ideologie zu wehren,
ganz gleich, wo sich
ihre Sporen zeigen sollten.
3. Wie ist Atheismus möglich geworden?
Eine zeitlang schien es so, als sei der Atheimus eine Weltmacht.
Für jeden an Gott glaubenden Menschen
war dies ein Ärgernis und
ein Schmerz zugleich. Aber auch ein
grosses Rätsel. Man wird sich
heute, nachdem das tragende System des
Atheismus zusammengebrochen
ist, die Frage ernsthaft stellen
müssen: Wie ist Atheismus möglich
geworden?
Mutter
Teresa wird die Aussage zugesprochen:
Ich will die Men-
schen für Christus gewinnen,
nicht zwingen! Glaube an Gott ist
möglich, aber er kann nicht erzwungen werden. Er ist und bleibt
immer Gnade. Immer wird Gott es sein, der den ersten Schritt zu
uns tut. Aber immer, und ich betone:
immer, muss der Mensch seine
persönliche Antwort auf das Entgegenkommen Gottes geben. Bleibt
unsere Antwort aus, entsteht
ein Vakuum: im Auseinanderklaffen
von Gottes Entgegenkommen und dem
Ausbleiben unserer Antwort eta-
bliert sich der A-Theismus
(Gott-Losigkeit). Baut man nun in die-
ses Vakuum eine Ideologie ein, wird
daraus eine Gesellschaftsordnung entstehen,
die Gott nicht kennt, ihn
verdrängt und ihn den Untertanen verbietet.
Auf der einen Seite steht also
Gott, der allein die Wahrheit ist
und uns nicht zwingen will, uns aber
in Jesus Christus sein Ange-
bot mmachte, auf der anderen eine aus dem erwähnten Vakuum entstandene Ideologie, die die Frage nach der Wahrheit sich selbst
nicht stellt und den Mitmenschen die Antwort
schuldig bleibt;
die zwangsläufige Verstrickung in
Schuld und Lüge ist vorprogram-
miert.
Ein weiterer Aspekt
darf hier nicht unerwähnt
bleiben: Glauben
kann man nur in einer
völligen persönlichen Entscheidungsfrei-
heit. Dies bezieht sich auf den
Glauben an Gott genau so, wie auf
den Glauben, den eine
gott-lose Ideologie von ihren
Untertanen
beansprucht. Gibt
eine Ideologie ihren Anhängern
den nötigen
Freiraum, dann werden sie ihr folgen. Wird der Freiraum
der per-
sönlichen Entscheidung
genommen, dann werden die
Menschen zwar
vor Furcht erzittern, katzbuckelnd den Machthabern folgen - sie
werden sich aber nie von ihr
überzeugen lassen und im Innern eine
dauernde Abneigung entwickeln. So kann
heute in einer Analyse
über die letzten Jahrzehnte kommunistischer Schreckensherrschaft
gesagt werden, dass diese Ideologie keine richtigen
Ideologen im
Stile Marx' mehr hatte. Freilich gab
es sie - die Eintagsfliegen,
die sich im Boxring für Leichtgewichter gegenüber einer in die
Zuschauerränge getriebene
Masse höriggewordener Menschen, die
auf
Befehl applaudieren und
auf Befehl Sprüche muskelmatter
Ringkämpfer brüllend wiederholen,
Gehör verschafften. Über sie zu
reden ist jedoch verlorene Zeit. Da lobe ich mir doch eher jene,
die
in offener Opposition
gegen die Meister
verlogener
Losungen und verblendeter Kaderfunktionäre alles wagten - auch
ihr
Leben! Hier zeigte sich,
dass Überzeugung, Freiheit, der
Glaube
an Gott Werte sind,
die auch mit den ausgefallendsten
Foltermethoden nicht zu unterdrücken
sind. Dass der Glaube an
Gott
dem Menschen so natürlich
ist wie das
Gehen auf zwei
Beinen, hat sich in den Kreisen dieser Kaderschmiede noch nicht
umhergesprochen. Oder doch? Hat man nicht Gott durch den
Glauben
an den Sozialismus ersetzen
wollen..? Der atheistische Kommunis-
mus
war unfähig, den Menschen
einen Freiraum zuzugestehen,
schon
ob des Widerspruchs der obenerwähnten prozessweisen Ent-
wicklung, einer Missgeburt menschlichen Denkens, die es den je-
weiligen Ideologen,
die gerade Macht
ausübten, ermöglichte,
ziellos persönliche Herrschaftsansprüche
zu befriedigen. An kein
transzendentales Wesen,
an Gott, gebunden,
setzten sie ihre
eigenen, oft naiven,
Einsichten zum Massstab des
Denkens und
Handelns.
Die
Transzendenz Gottes aber, die
Tatsache, dass er alles Wis-
sbare und Bestimmbare überschreitet,
dass er das grosse Geheimnis
ist,
diese Tatsache muss in kritische Konkurrenz treten mit den
sonstigen, wissbaren weltimmanenten Erfahrungen.
Fehlt nun dem
Menschen die
persönliche
Entscheidungsfreiheit
zwischen dem
Transzendentalen und dem Erfahrbaren
zu wählen, treibt dieser
kritische Widerspruch
dazu, das allwissende,
transzendentale
und darum auch geheimnisvolle Wesen zu
verdrängen, oder, wie ich
in der Befreiung vom Gewissen higewiesen
habe, sich dessen zu
entledigen.
4.
Spannungsfeld: Totale kommunistische Gesellschaft und Christentum
Wir könnten von Glück reden, dass die
totale kommunistische Ge-
sellschaft nie und nirgends installiert wurde, wüsste man nicht
heute, nach diesem
qualvollen Experiment mit und an
Menschen,
nur eine Utopie war und aus Gründen
der inneren Widersprüchlich-
keiten gar nicht installierbar
war. Aus den Lehren der Vordenker
dieser
Ideologie lässt sich jedoch
die folgende Definition der
totalen kommunistischen Gesellschaft
ableiten:
Die
kommunistische Gesellschaft ist klassenlos und atheistisch.
Privates Eigentum und Kapital gibt es
nicht. Alles gehört der
ganzen Gesellschaft. Unter der Fürhung der kommunistischen Par-
tei,
der einzigen legalen politischen Kraft,
arbeiten alle Men-
schen
für das Gemeinwohl. Der Einzelne
mit seinen persönlichen
Wünschen, bis
hin zu den
familiären Bindungen von
Eltern-
Kind-Ehegatte, hat sich dieser Gesellschaft so einzuordnen,
dass
er in ihr ganz untergeht."
4.1. Fragen an die Kirche des Westens
Angesichts der Tatsache,
dass das Gedankengut des atheistischen
Kommunismus in der säkularisierten Welt des Westens, also jener
Welt,
die von der Geisel dieser menschenverachtenden real exi-
stierenden Ideologie nicht betroffen
war, Eingang finden könnte
-
die grösste Sorge aller
Demokraten -, soll an dieser Stelle
ein Fragenkomplex aus der
russisch-sowjetischen Untergrundschrift
Samizdat (Samizdat,
Chronik eines neuen Lebens in der
Sowjetu-
nion,
in: pro fratribus, Koblenz 1977) aufgeführt werden, um den
Ernst jener Welt besser zu begreifen,
der der real existierende
Attheismus aufgezwungen wurde.
"Ist es möglich", frägt
Samizdat, "dass das Christentum im geisti-
gen
Leben die Initiative
verloren hat? Heute
kommt die a-
religiöse Welt mit ihren ethischen
Reaktionen in den meisten Fäl-
len den Kirchen zuvor. Die Vertreter der einzelnen Konfessionen
treffen sich", den von den
westlichen Demokratien gewährten Frei-
raum ausnützend, "nach wie vor;
sie halten Vorträge ab und machen
diplomatische Reisen". Wie vor
dem Erscheinen des aktiven Atehis-
mus leben sie in einer
nach innen gekehrten Welt der
theoreti-
schen
Probleme und erhoffen
sich davon eine
Einheit. "Aber
selbst wenn eines Tages diese
diplomatische Einheit Wirklichkeit
würde,
so wird sie
dennoch nichts anderes
sein, als eine
politische Fiktion und ebenso
fruchtlos wie die 'Freundschaft der
Völker', deren Regierungen sich erst gestern versöhnt und gün-
stige Handelsvereinbarungen
abgeschlossen haben. Aber nicht diese
Einheit brauchen die Christen.
Stehen sie tatsächlich noch mit
Christus in Verbindung und bilden sie Seinen Leib, nachdem sie
die Bereitschaft zum Zeugnis über das Böse und
über das Leiden
verloren haben? Ist nicht in diesem
Falle die sittliche Grundlage
des Evangeliums jene elementare
Voraussetzung, ohne die eine ech-
te christliche Einheit nicht möglich
ist?".
Diese Sätze sind dem Aufschrei jener
entsprungen, die gänzlich um
ihren perslönlichen Freiheitsraum
gebracht wurden um im gleichen
Zuge einer totalen atheistischen
Weltanschauung unterworfen zu
werden. Ist nicht heute mehr denn je eine Tendenz zu verspüren,
in welcher das Böse als solchens aus
unserem Leben verdrängt wer-
den soll? Lebt der Westen nicht auch heute noch - heute, wo wir
das Aussmass der seelischen Zerstörung
des Kommunismus offen se-
hen -,
in einem nie dagewesenen Unschuldswahn,
als gäbe es die
Schuld des Atheismus nicht? Ist nicht eine immer stärkere Abkehr
von Gott und - wohin sonst? - zum
Atheismus hin spürbar? Was hal-
ten wir eigentlich noch vom sündhaften
Versagen vor Gott? Konzen-
triert sich nicht unser Versagen -
so berechtigt, notwendig und
dringend es auch sei -, nicht
ausschliesslich auf materielle Wer-
te,
auf Welt und Umwelt, auf Mensch und Natur? Schliessen wir
nicht zu leichtfertig den Schöpfer der
Natur aus unseren Massnah-
men für die Rettung der Natur aus? Liegt darin der Grund, dass
wir mit der Natur nicht richtig umzugehen wissen, weil
wir den
Schöpfer ausgeschlossen haben?
Das Christentum, der Glaube an den einen Gott, den Schöpfer des
Himmels und der Erde, ist die einzige Alternative zum Atheismus
und zu seiner schlimmsten
Erscheinungsform, dem real existieren-
den Sozialismus bzw. Kommunismus,
obwohl letztere nie real exi-
stierte, sondern als Utopie in blauen Wolken schwebte. Freilich
hat der Atheismus viele Gesichter,
die hier nur erwähnt werden
sollen, um nicht der Einseitigkeit zu
verfallen, wie: Fanatismus,
Indifferentismus, Neuheidentum,
New-Age, Modernismus und derglei-
chen.
Die Zeichen der Zeit, den Atheismus, zu erkennen und zu verbannen
ist nicht nur Aufgabe der Kirche als
solcher, sondern jedes ein-
zelne Christen. Tun wir dies nicht,
machen wir uns mitschuldig am
Werk des "Menschenmörders von Anbeginn" (Joh 8,44)
und bringen
uns selbst um unsere eigene Zukunft und um die
unserer Kinder.
Die Zukunft wird unter zwei Vorzeichen
stehen:
- die Entscheidung für die persönliche
Freiheit unter den Voraus-
setzungen des einzig offenbarten
Glaubens an Gott, des Christen-
tums, oder
- die Entscheidung für den Zwang des
Atheismus gegen alle persön-
liche Freiheit.
4.2. Typikum europäischer Kultur
Um die letztgenannten Sätze zu unterstreichen, werfen wir einen
kurzen Blick auf die europäische
Kultur. Bekanntlich ist diese ja
vom Christentum gefördert und geformt
worden. Bei genauerem Hin-
sehen darf als Spezifikum europäischer
Kultur ein dreifaches an-
tikes Erbe gelten: das griechische Denken, der offenbarte Chri-
stenglauben und das römische
Recht. Das römische Recht aber fand
seine historisch wirksame Formulierung
im Hellenismus. So blei-
ben die eigentlichen grossen Geschenke
der Griechen und der Juden
an die Menschheit diese beiden:
-
die griechische Philosophie, das heisst die Unterscheidung von
Wahr und Falsch und
- die jüdische Unterscheidung von Gut
und Böse.
Die daraus resultierende europäische
Kultur ist die typisch un-
terschiedende zwischen Ja und Nein.
Mit anderen Worten: Die Un-
terscheidung zwischen Gut und
Böse, zwischen Wahr und Falsch ist
das hervorragendste Typikum
europäischer Kultur.
Die Wichtigkeit dieser Erkenntnis kommt im
Folgenden zu tragen.
Beide
Eckwerte haben beim Europäer,
seien sie von der griechi-
schen
Philosophie, von der römischen
Kultur oder von der jüdi-
schen
Unterscheidung her gesehen, einen
religiösen Hintergrund.
Davon ausgehend muss die Frage formuliert werden - wollen wir zu
einer richtigen Entscheidung
vorstossen -, nach den die Voraus-
setzungen und
Zielen europäischer Willensbildung.
Dabei setze
ich voraus, dass Entscheidungen ja nur dort getroffen
werden, wo
eine
vorhergehende Willensbildung
stattgefunden hat. Ist dies
nicht der Fall, spricht man von einer
Diktatur. In logischer Kon-
sequenz müssen
wir uns daher mit den
Voraussetzungen für eine
Enstcheidung zwischen persönlicher
Freiheit und Zwang beschäfti-
gen.
Die
inneren Voraussetzungen können
wir sehr leicht an der Ge-
schichte Europas ablesen. Der Reichtum
Europas, wie einst der
Reichtum der alten Griechen oder
Römer, ist die Vielfalt in Frei-
heit.
Wo diese Veilfalt fehlt, entsteht Unterdrückung. Viele ma-
chen es sich heute sehr einfach,
wenn sie sagen: Unser Reichtum
ist auf die Ausbeutung der Dritten Welt zurückzuführen, so sehr
dies streckenweise auch gar nicht fasch sein
mag. Die Aussage
deckt jedoch nicht die ganze
Realität. Wäre dem so, dann müsste
die ehemalige Sowjetunion das reichste Land der Erde sein, denn
an Ausbeutung der Satellitenstädten fehlte
es warhlich nicht.
Aber es fehlte die freie Vielfalt!
4.3. Die ehemaligen Supermächte
Schliesslich sei noch im Zusammenhang
unserer postkommunistischen
Analye ein notwendiger Blick auf die ehemaligen sogenannten Su-
permächte geworfen.
Beide Nationen sind geprägt durch
Expansion, durch die geschicht-
liche Besiedlung eines - nach europäischen Begriffen unendlichen
Raumes. Beide
Ideologien sind massgeblich geprägt durch teils
gemeinsame, teils verschiedene Ereignis:
- die Verwurzelung im europäischen
Typikum,
-
der Gedanke der ersten
Menschenrechtserklärungen von
1776 in
den USA und
- die Entstehung des Kommunismus 1917.
Tief verschieden ist allerdings beider aussen- und innenpoliti-
sche Einwirkung dieser Ereignisse auf
den jeweilig Betroffenen.
Die Russen sind ein europäisches Volk mit einem
gewaltigen Sied-
lungsgebiet und wohl auch
Herrschaftsgebiet in Asien. Es ist aber
ein Volk von Ackerbauern, das im Westen begrenzt wird von einer
überlegenen Zivilisation und im Osten
von Nomaden auf schnellen
Pferden. So konnten sie nur bestehen, wenn sie sowohl dem einen
als auch dem anderen militärisch
überlegen waren. Daher ist mili-
tärische Überrüstung russische
Tradition, von den Zaren begonnen
und
ohne Abstriche von den Kremlherren
der untergegangenen
Sowjetmacht übernommen.
Die Abrüstungsvorschläge zu
Zeiten der
Sowjetmacht müssen
daher unter diesen Aspekten
gesehen werden,
denn nie wurde abgerüstet. Die Gespräche dienten bloss der Ver-
hinderung, die angehäuften Waffen auch zu gebrauchen,
das heisst
der
Besänftigung sowjetischer Ängste vor
der anderen Supenmmacht. Das
nicht abgerüstet, sonder immer neue
Waffensysteme in
derselben Zeit
erfunden wurden, weiss
heute jedermann. Die
politisch-geschichtliche
Grunderfahrung der Russen ist Druck und
Gegendruck der Macht, denn innenpolitisch hat Russland die demo-
kratische Freiheit,
als einzige europäische
Nation, in deiner
Geschichte noch nie gekannt.
Nordamerika wurde,
nicht ohne das Gewehr, erobert und besiedelt
von
Europäern, die dort ihre
Freiheit suchten. Die Unabhängig-
keitserklärung von 1776 spricht drei
unveräusserliche Menschen-
rechte aus: Das Recht auf Leben, auf Freiheit
und auf Streben
nach Glück. Die Siedler in den USA wollten keinen
Anteil mehr
haben
an den verwerflichen Machtkämpfen
europäischer Fürsten,
Könige, Kaiser
und Potentaten. Das war auch das ursprüngliche
aussenpolitische Pathos der
Vereinigten Saaten, ermöglicht durch
die Isolation zwischen zwei
Ozeanen. Die freie
Vielfalt war
durch die Erklärung gewährt.
So konnte die persönliche Freiheit
heranwachsen und Amerika zu dem werden lassen, was es heute an
Wirtschaftsmacht zu bieten hat.
Die Selbstzerfleischung Europas in den
zwei zurückliegenden Welt-
kriegen des ausgehenden Jahrhunderts
nötigte die USA in die Rolle
der politischen Weltmacht.
Damit wären die philosophischen Hintergründe
aufgezeigt, welche
zu berücksichtigen sind, wenn wir von
einer freien personalen Ent-
scheidung zwischen Freiheit und
Zwang reden. Wer sich die Mühe
macht,
die Verzahnung mit der heutigen Situation in Kirche und
Welt zu verstehen, dem wird die Wahl
bzw. das Verständnis laufen-
der Entwicklungen leichter gemacht.
(af)
Montag, 26. März 2012
Ich bin eindeutig für das Latein als Sprache aller liturgischen Handlungen des Priesters!
Ich bin eindeutig für das Latein als Sprache aller liturgischen Handlungen des Priesters!
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„Diejenigen, die den Eindruck erwecken
möchten, dass die Kirche das Lateinische aus der Liturgie entfernen wolle,
irren sich“
Hier einen Vortrag von Francis Kardinal
Arinze, ehem. Präfekt der Gottesdienstkongregation.
Vatikanstadt (Fidest)
Wir veröffentlichen nachstehend die Rede von Francis Kardinal Arinze, Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, bei der liturgischen Konferenz in Gateway (St. Louis, Missouri, 11. November 2006):
Wir veröffentlichen nachstehend die Rede von Francis Kardinal Arinze, Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, bei der liturgischen Konferenz in Gateway (St. Louis, Missouri, 11. November 2006):
1.Die höhere Würde des liturgischen Gebets
Die von unserem Herrn und Erlöser Jesus Christus begründete Kirche bemüht sich Männer und Frauen jeder Ethnie, jeder Sprache, jeden Volkes und jeder Nation zu vereinen (vgl. Offb. 5,9), sodass „jede Zunge zur Ehre Gottes des Vaters bekenne: Jesus Christus ist der Herr“ (Phil. 2,11). Am Pfingsttag waren da Männer und Frauen „wohnhaft aus jedem Volk unter dem Himmel“ (vgl. Apg. 2,5), die den Aposteln zuhörten, wie sie von den wunderbaren Werken Gottes erzählten.
Die von unserem Herrn und Erlöser Jesus Christus begründete Kirche bemüht sich Männer und Frauen jeder Ethnie, jeder Sprache, jeden Volkes und jeder Nation zu vereinen (vgl. Offb. 5,9), sodass „jede Zunge zur Ehre Gottes des Vaters bekenne: Jesus Christus ist der Herr“ (Phil. 2,11). Am Pfingsttag waren da Männer und Frauen „wohnhaft aus jedem Volk unter dem Himmel“ (vgl. Apg. 2,5), die den Aposteln zuhörten, wie sie von den wunderbaren Werken Gottes erzählten.
Diese Kirche, dieses
neue Volk Gottes, dieser mystische Leib Christi betet. Sein öffentliches Gebet
ist die Stimme Christi und der Kirche, seiner Braut. Haupt und Glieder. Die
Liturgie ist Ausübung des Priesteramtes Jesu Christi. In ihr wird der
öffentliche Gottesdienst von der gesamten Kirche beziehungsweise von Christus
erfüllt, der damit seine Glieder an sich bindet.
„Infolgedessen ist
jede liturgische Feier als Werk Christi, des Priesters, und seines Leibes, der
die Kirche ist, in vorzüglichem Sinn heilige Handlung, deren Wirksamkeit kein
anderes Tun der Kirche an Rang und Maß erreicht.“ (Sacrosanctum Concilium, 7).
Die heilige Quelle der Liturgie versorgt uns alle, die wir nach der Gnade der
Erlösung dürsten, mit lebendigem Wasser (vgl. Joh. 4,10).
Das Bewusstsein, dass
Jesus Christus der oberste Priester bei jeder liturgischen Handlung ist, sollte
in uns große Ehrerbietung wecken. Wie der heilige Augustinus sagt: „Bitte für
uns als unser Priester; bitte für uns als unser Herr; von uns angebetet als
unser Gott. Wir erkennen also in Ihm unsere Stimme und in uns Seine Stimme“
(Enarratio in Psalmum, 85; CCL 39, 1176).
2. Unterschiedliche Riten in der Kirche
In der heiligen Liturgie zelebriert die Kirche die Mysterien Christi mittels Zeichen, Symbolen, Gesten, Bewegungen, materiellen Elementen und Worten. Bei unserer Überlegung werden wir uns auf die bei der Anbetung Gottes nach römischem beziehungsweise lateinischem Ritus verwendeten Worten konzentrieren.
In der heiligen Liturgie zelebriert die Kirche die Mysterien Christi mittels Zeichen, Symbolen, Gesten, Bewegungen, materiellen Elementen und Worten. Bei unserer Überlegung werden wir uns auf die bei der Anbetung Gottes nach römischem beziehungsweise lateinischem Ritus verwendeten Worten konzentrieren.
Die Schlüsselelemente
der heiligen Liturgie, nämlich die sieben Sakramente, erfahren wir von unserem
Herrn Jesus Christus selbst. In dem Maße wie sich die Kirche allmählich
verbreitete und unter den verschiedenen Völkern und Kulturen wuchs, wurden auch
unterschiedliche Arten für die Zelebrierung der Mysterien Gottes entwickelt. So
können wir vier ursprüngliche Liturgieformen unterscheiden: die antiochenische,
die alexandrinische, die römische und die gallikanische.
Sie wiederum waren
der Anfang für neun Hauptriten der heutigen katholischen Kirche: in der
lateinischen Kirche dominiert der römische Ritus; in den Ostkirchen finden wir
den byzantinischen Ritus, den armenischen, den chaldäischen, den koptischen,
den äthiopischen, den malabarischen Ritus, den der Maroniten und der Syrer.
Jeder „Ritus“ stellt eine Mischung aus Liturgie, Theologie, Spiritualität und
kanonischem Recht dar. Die Grundmerkmale gehen auf die ersten Jahrhunderte
zurück, die wesentlichen Züge auf die Zeit der Apostel, wenn nicht gar auf die
Zeit unseres Herrn.
Der römische Ritus,
der Gegenstand unserer Betrachtung ist, ist - wie bereits gesagt - in unserer
heutigen Zeit vorherrschender liturgischer Ausdruck der kirchlichen Kultur, den
wir eben „Römischen Ritus“ nennen. Wie ihr sicher wisst, gibt es innerhalb der
Erzdiözese Mailand einen brüderlichen Ritus, der nach dem heiligen Ambrosius,
dem großen Bischof Mailands, „Ambrosianischer Ritus“ genannt wird. An manchen
Orten und zu besonderen Gelegenheiten wird in Spanien die Liturgie nach einem
uralten hispanischen beziehungsweise Mozarabischen Ritus zelebriert. Dies sind
zwei ehrenwerte Ausnahmen, die wir hier nicht näher behandeln werden.
Die Kirche Roms
bediente sich von Beginn an des Griechischen. Erst allmählich wurde das Lateinische
eingeführt, bis dann die Kirche Roms schließlich im 4. Jahrhundert endgültig
latinisiert wurde (vgl. A.G. Martimort ed; „Die Kirche im Gebet“, Collegeville
1992, I, S. 161-165).
Der römische Ritus
erfuhr weite Verbreitung im heutigen West-Europa und in den meist von
europäischen Missionaren evangelisierten Ländern Asiens, Afrikas, Amerikas und
Ozeaniens. Heute gibt es aufgrund der einfacheren Reisemöglichkeiten auch
Katholiken anderer Riten (allgemein Ostkirchen genannt) in all diesen Kontinenten.
Die meisten dieser
Riten verfügen über eine Originalsprache, wodurch jeder einzelne Ritus auch
eine eigene historische Identität erhält. Der römische Ritus hat das
Lateinische als offizielle Sprache. Die typischen Ausgaben seiner liturgischen
Werke werden bis heute auf Lateinisch veröffentlicht.
Es ist ein wichtiger
Aspekt, dass viele Religionen in der Welt beziehungsweise ihre wesentlichen
Zweige eine ihnen zugehörige Sprache haben. Die jüdische Religion ist nicht
denkbar ohne die hebräische Sprache; der Islam hat das Arabische als heilige
Sprache im Koran. Der klassische Hinduismus betrachtet das Sanskrit als seine
offizielle Sprache; die heiligen Texte des Buddhismus sind auf Pali
geschrieben.
Es wäre oberflächlich
diese Tendenz als esoterisch, seltsam oder altmodisch, alt oder mittelalterlich
anzusehen. Das würde bedeuten, dass man eine feine Nuance der menschlichen
Psychologie ignoriert. In Fragen der Religion tendieren die Menschen dazu das
von den Ursprüngen Überkommene zu bewahren, die Art und Weise wie ihre Vorväter
Religion und Gebet ausgedrückt haben. Die Erben heute hängen an den seit
altersher verwendeten Worten und Formeln. Freilich kann eine Religion nicht mit
einer Sprache identifiziert werden, doch die Art und Weise, in der sie verstanden
wird, kann eine innere Bindung zu einem bestimmten, in ihrer klassischen
Wachstumsperiode gebräuchlichen linguistischen Ausdruck darstellen.
3. Vorteile der römischen Liturgie
Wie bereits erwähnt, hatte das Lateinische im 4. Jahrhundert das Griechische als offizielle Sprache der Kirche von Rom ersetzt. Unter den lateinischen Kirchenvätern, die weitschweifend und schön auf lateinisch schrieben, sind der heilige Ambrosius (339-397) zu nennen, der heilige Augustinus (354-430), der heilige Leo der Große (gest. 461), sowie Papst Gregor der Große (540-604). Vor allem Papst Gregor war es, der das Lateinische in der heiligen Liturgie, in seinen Predigten und im allgemeinen Gebrauch in der Kirche zu höchster Vervollkommnung geführt hat.
Wie bereits erwähnt, hatte das Lateinische im 4. Jahrhundert das Griechische als offizielle Sprache der Kirche von Rom ersetzt. Unter den lateinischen Kirchenvätern, die weitschweifend und schön auf lateinisch schrieben, sind der heilige Ambrosius (339-397) zu nennen, der heilige Augustinus (354-430), der heilige Leo der Große (gest. 461), sowie Papst Gregor der Große (540-604). Vor allem Papst Gregor war es, der das Lateinische in der heiligen Liturgie, in seinen Predigten und im allgemeinen Gebrauch in der Kirche zu höchster Vervollkommnung geführt hat.
Die Kirche nach
römischem Ritus war von außerordentlichem missionarischem Dynamismus
gekennzeichnet und dies erklärt, weshalb ein Großteil der Welt von den
Bannerträgen des lateinischen Ritus evangelisiert wurde. Zahlreiche europäische
Sprachen, die wir heute als modern ansehen, haben ihre Wurzeln in der
lateinischen Sprache, manche mehr als andere, wie das Italienische; aber auch
das Deutsche und das Englische haben viele lateinische Elemente.
Die Päpste und die
römische Kirche hielten Latein aus mehreren Gründen für angebracht: Es ist die
richtige Sprache für eine Kirche, die sich als Universalkirche versteht; eine
Kirche, in der sich alle Völker, alle Sprachen und Kulturen heimisch fühlen
sollten, und wo niemand als Fremder angesehen wird. Zudem besitzt das
Lateinische eine gewisse Stabilität, die die alltäglich gesprochenen Sprachen -
in denen Wortinhalte sich häufig in den Nuancen ändern - nicht haben können.
Ein Beispiel dafür
ist die Übersetzung des lateinischen Wortes „propagare“. Die Kongregation für
die Evangelisierung der Völker wurde bei ihrer Gründung 1627 „Sacra Congregatio
de Propaganda Fide“ genannt. Aber zur Zeit des II. Vatikanischen Konzils
verwendeten viele moderne Sprachen den Terminus „propaganda“ im Sinne des
heutigen „politische Propaganda“. Deshalb vermeidet die Kirche heute lieber den
Ausdruck „de propaganda fide“ und zieht stattdessen „Evangelisierung der
Völker“ vor.
Das Lateinische
zeichnet sich dadurch aus, dass es Worte und Ausdrücke hat, die ihre Bedeutung
von Generation zu Generation beibehalten. Dies ist ein Vorteil, wenn es nämlich
darum geht unseren katholischen Glauben in Worte zu fassen und päpstliche
Dokumente oder andere Kirchentexte zu verfassen. Auch die modernen
Universitäten schätzen diese Eigenschaft, und einige ihrer feierlichen Abschluss-Titel
sind noch immer lateinisch.
Der selige Papst
Johannes XXIII. nennt in seiner Apostolischen Konstitution, Veterum Sapentia,
die am 22. Februar 1962 veröffentlicht wurde, eben diese beiden Gründe und fügt
noch einen dritten hinzu: die lateinische Sprache besitzt eine nicht
unerhebliche edle Würde (vgl. Veterum Sapientia, 5, 6, 7). Und wir können
außerdem sagen, dass das Lateinische knapp, präzise und poetisch gemäßigt ist.
Ist es etwa nicht
wunderbar, dass Menschen - und vor allem Geistliche - wenn sie eine gute
Bildung besitzen, sich auf internationalen Versammlungen treffen können und in
der Lage sind wenigstens auf Lateinisch zu kommunizieren? Noch wichtiger ist
vielleicht, dass mehr als eine Million junge Menschen sich 2000 in Rom, 2002 in
Toronto, 2005 in Köln zum Weltjugendtag getroffen und Teile der Messe und vor
allem das Credo auf Lateinisch gesunden haben. Die Theologen können die
Originaltexte der ersten lateinischen Väter und der Scholastiker ohne allzu
große Schwierigkeiten studieren, da diese Texte auf Lateinisch geschrieben
sind.
Es ist richtig, dass
die Tendenz besteht - sowohl kirchenintern als weltweit - den modernen Sprachen
vermehrt Aufmerksamkeit zu schenken, wie zum Beispiel dem Englischen, dem
Französischen oder dem Spanischen, denn sie können uns helfen auf dem modernen
Arbeitsmarkt oder in einem Außenministerium schneller einen Arbeitsplatz zu
finden.
Dennoch behält die
Ermahnung von Papst Benedikt XVI. an die Studenten der altphilologischen und
christlichen Fakultät der Päpstlichen Salesiana (Pontificia Universita'
Salesiana di Roma) in Rom anlässlich der Generalaudienz vom Mittwoch dem 22.
Februar 2006 ihre Gültigkeit und Relevanz. Und er hat diese Ermahnung auf
Lateinisch gesagt!
Hier eine freie
Übersetzung: „Zu Recht hatten unsere Vorgänger auf dem Studium der großartigen
Sprache Latein bestanden, damit man die in den kirchlichen und humanistischen
Disziplinen enthaltene Heilslehre besser lernen könne. In diesem Sinne fordern
wir euch auf diese Tätigkeit weiter zu kultivieren um zu gewährleisten, dass
möglichst viele Menschen Zugang zu diesem Schatz finden und seine Bedeutung
erfassen können.“ (Osservatore Romano Nr. 45, vom 23.2.2006, S. 5).
4. Der Gregorianische Gesang
„Ihre vornehmste Form nimmt die liturgische Handlung an, wenn der Gottesdienst feierlich mit Gesang gehalten wird“ (Sacrosanctum Concilium, 113). Ein altes Sprichwort besagt: bis orat qui bene cantat, was soviel bedeutet wie: wer singt betet doppelt, weil die durch den Gesang vermehrte Intensität des Gebets seine Kraft und Wirkung noch erhöht (vgl. Paul VI.: Rede vor der Schola Cantorum italiana, 25. September 1977, Notitiae 136, November 1997, S. 475).
„Ihre vornehmste Form nimmt die liturgische Handlung an, wenn der Gottesdienst feierlich mit Gesang gehalten wird“ (Sacrosanctum Concilium, 113). Ein altes Sprichwort besagt: bis orat qui bene cantat, was soviel bedeutet wie: wer singt betet doppelt, weil die durch den Gesang vermehrte Intensität des Gebets seine Kraft und Wirkung noch erhöht (vgl. Paul VI.: Rede vor der Schola Cantorum italiana, 25. September 1977, Notitiae 136, November 1997, S. 475).
Gute Musik nützt dem
Gebet und der Erhebung der Seelen der Gläubigen hin zu Gott und trägt dazu bei
die Menschen die Güte Gottes erproben zu lassen. Im lateinischen Ritus ist das,
was als „gregorianischer Gesang“ bekannt ist, stets traditionell gewesen. Einen
charakteristischen liturgischen Gesang gab es in der Tat in Rom schon vor
Gregor dem Großen (gest. 604). Aber er war es, der dem Gesang zu seiner
herausragenden Rolle verholfen hat. Nach Gregor dem Großen entwickelte sich die
Tradition des Gesangs weiter und wurde reicher bis hin zu den Umwälzungen, die
das Ende des Mittelalters zeichneten. Die Klöster und insbesondere die
Benediktinerklöster haben viel zur Erhaltung dieser Tradition beigetragen.
Merkmal des
gregorianischen Gesangs ist eine meditative, bewegende Kadenz. Er dringt bis in
die Tiefen der Seele. Er bringt Freude zum Ausdruck, Bedauern, Reue, Bitten,
Hoffnung, Lob oder Dank und kann das besondere Fest als Teil der Messe oder als
anderes Gebet aufzeigen. Er lässt die Psalmen lebendiger werden; besitzt eine
universelle Anziehungskraft, die so geeignet für alle Kulturen und alle Völker
macht. Er ist in Rom ebenso geschätzt wie in Solemses, in Lagos wie in Toronto
und Caracas. Er klingt in den Kathedralen, in den Seminaren, an
Wallfahrtsorten, in Pilgerzentren oder auch in den traditionellen
Kirchengemeinden.
Der Heilige Vater
Papst Pius X. zelebrierte den gregorianischen Gesang 1904 (Tra le
Sollecitudini, 3). Das II. Vatikanische Konzil lobte ihn 1963: „Die Kirche
betrachtet den Gregorianischen Choral als den der römischen Liturgie eigenen
Gesang; demgemäß soll er in ihren liturgischen Handlungen, wenn im übrigen die
gleichen Voraussetzungen gegeben sind, den ersten Platz einnehmen.“
(Sacrosanctum Concilium, 116).
Der Diener Gottes,
Papst Johannes Paul II. wiederholte dieses Lob 2003 (vgl. Chirograph anlässlich
des 100. Jahrestages von Tra le Sollecitudini, 4-7; in Kongregation für den
Gottesdienst und die Sakramentenordnung Spirtus et Sponsa, 2004, S. 130). Papst
Benedikt XVI. ermutigte die international anlässlich des Treffens in Rom Ende
2005, bei dem dem gregorianischen Gesang eine Vorrangstellung zugesprochen
wurde. In Rom wie auf der ganzen Welt ist die Kirche gesegnet mit vielen
wichtigen Chören - auf professioneller wie auf Laienebene - den Gesang
wunderschön interpretieren und ihre Begeisterung dafür weitertragen.
Es stimmt nicht, dass
gläubige Laien den gregorianischen Gesang nicht praktizieren wollen. Was sie
fordern ist, dass die Priester, die Mönche und Nonnen diesen Schatz mit ihnen
teilen. Die von den Benediktinermönchen von Silos an ihrem Ordenssitz in
Solesmes und von vielen anderen Gemeinden herausgegebenen CDs werden unter den
jungen Leuten viel verkauft. Die Klöster werden von Personen besucht, die
Lobgesänge und vor allem die Vespern singen wollen.
Während der Feier zur
Weihe von elf Priestern, die ich im vergangenen Juli in Nigeria zelebriert
habe, haben ungefähr 150 Geistliche das erste eucharistische Hochgebet auf
Lateinisch gesungen. Es war sehr schön, und die anwesenden Gläubigen haben dies
sehr geschätzt auch wenn sie keine lateinischen Schriftgelehrten waren. Es
sollte ganz normal sein, dass in den Gemeinden, in denen am Sonntag vier oder
fünf Messen gelesen werden, eine auf Lateinisch gesungen wird.
5. Hat das Zweite
Vatikanische Konzil den Gebrauch des Lateinischen entmutigt?
Manche glauben oder haben den Eindruck, dass das II. Vatikanische Konzil den Gebrauch des Lateinischen in der Liturgie entmutigt habe. Dem ist aber nicht so.
Unmittelbar vor Eröffnung des Konzils schrieb der selige Papst Johannes XXIII. 1962 eine Apostolische Konstitution, in der er auf dem Gebrauch des Lateinischen in der Kirche besteht.
Manche glauben oder haben den Eindruck, dass das II. Vatikanische Konzil den Gebrauch des Lateinischen in der Liturgie entmutigt habe. Dem ist aber nicht so.
Unmittelbar vor Eröffnung des Konzils schrieb der selige Papst Johannes XXIII. 1962 eine Apostolische Konstitution, in der er auf dem Gebrauch des Lateinischen in der Kirche besteht.
Das II. Vatikanische Konzil selbst bestand trotz eines
gewissen Umfangs der Volkssprache auf der Position des Lateinischen: „Der
Gebrauch der lateinischen Sprache soll in den lateinischen Riten erhalten
bleiben, soweit nicht Sonderrecht entgegensteht.“ (Sacrosanctum Concilium, 36).
Das Konzil forderte auch von den Seminaristen dass sie „so viel Latein lernen
sollen, daß sie die zahlreichen wissenschaftlichen Quellen und die kirchlichen
Dokumente verstehen und benützen können.“ (Optatam Totius, 13). Das 1983
veröffentliche Kirchenrechtsgesetzbuch stellt fest: „Die Feier der Eucharistie
ist in lateinischer Sprache
oder in einer anderen Sprache zu vollziehen, sofern nur die liturgischen Texte
rechtmäßig genehmigt sind.“ (Kodex des Kanonischen Rechts, Can. 928).
Diejenigen, die den Eindruck
erwecken möchten, dass die Kirche das Lateinische aus der Liturgie entfernen
wolle, irren sich. Wie eine gut zelebrierte lateinische Liturgie von den Leuten
aufgenommen wird, zeigte sich auf internationaler Ebene im April 2005, als
Millionen Menschen im Fernsehen die Begräbnisfeier von Papst Johannes Paul II.
und zwei Wochen später die Krönung von Papst Benedikt XVI. mitverfolgten.
Wichtig ist, dass die
jungen Menschen es gern haben, wenn die Messe manchmal auf Lateinisch
zelebriert wird. Freilich fehlt es dabei nicht an Problemen. Es kommen manchmal
auch Missverständnisse vor oder die Priester haben eine falsche Einstellung zum
Gebrauch des Lateinischen. Um aber die Frage gezielter angehen zu können ist es
zunächst nötig den Gebrauch der Mundart in der Liturgie nach römischem Ritus
von heute zu untersuchen.
6. Die Volkssprache. Einführung. Verbreitung.
Bedingungen
Die Einführung der Lokalsprachen in die heilige Liturgie nach römischem Ritus war nicht eine plötzliche Sache. Nach teilweiser, in einigen Ländern in den vorangegangenen Jahren gemachter Erfahrung verabschiedeten die Väter des II. Vatikanischen Konzils bereits am 5. und 6. Dezember 1962 nach langen und heftigen Debatten den Grundsatz, nach dem der Gebrauch der Muttersprache in der Messe oder an anderen Stellen der Liturgie für die Leute von Vorteil sein konnte. Im folgenden Jahr stimmte das Konzil für die Anwendung dieses Grundsatzes auf die Messe, für das Stunden- und Liturgieritual (vgl. Sacrosanctorum Concilium 36,54,63,76,78,101).
Die Einführung der Lokalsprachen in die heilige Liturgie nach römischem Ritus war nicht eine plötzliche Sache. Nach teilweiser, in einigen Ländern in den vorangegangenen Jahren gemachter Erfahrung verabschiedeten die Väter des II. Vatikanischen Konzils bereits am 5. und 6. Dezember 1962 nach langen und heftigen Debatten den Grundsatz, nach dem der Gebrauch der Muttersprache in der Messe oder an anderen Stellen der Liturgie für die Leute von Vorteil sein konnte. Im folgenden Jahr stimmte das Konzil für die Anwendung dieses Grundsatzes auf die Messe, für das Stunden- und Liturgieritual (vgl. Sacrosanctorum Concilium 36,54,63,76,78,101).
Daraufhin wurde der
Gebrauch der Volkssprache weiter ausgedehnt. Aber als ob die Konzilsväter
voraussehen konnten, dass das Lateinische möglicherweise mehr und mehr an
Bedeutung verliert, bestanden sie auf seiner Beibehaltung.
Wie bereits erwähnt
beginnt der Artikel 36 der Konstitution der Heiligen Liturgie mit der
Bestimmung, dass der Gebrauch der lateinischen Sprache abgesehen im Fall von
besonderen Rechten, in den lateinischen Riten beibehalten werden soll. Art. 54
gibt die zu befolgenden Schritte vor, „daß die Christgläubigen die ihnen
zukommenden Teile des Meß-Ordinariums auch lateinisch miteinander sprechen oder
singen können.“
Bei der Zelebrierung
der Stundenliturgie wird gemäß der jahrhundertealten Tradition des lateinischen
Ritus von den Geistlichen gefordert, dass sie die lateinische Sprache
beibehalten werden soll (vgl. SC, 101).
Aber trotz
Festsetzung von Grenzen haben die Konzilsväter doch die Möglichkeit eines
ausgedehnteren Gebrauchs der Volkssprache antizipiert. Art. 54 fügt in der Tat
hinzu: „Wenn indes darüber hinaus irgendwo der Gebrauch der Muttersprache bei
der Messe in weiterem Umfang angebracht zu sein scheint, so ist die Vorschrift
des Artikels 40 dieser Konstitution einzuhalten.“ Art.40 liefert Leitlinien
über die Rolle der Bischofskonferenzen und des Vatikan in einer solch heiklen
Angelegenheit.
Die Volkssprache war
somit eingeführt. Der Rest ist Geschichte. Die Entwicklung verlief so rasch,
dass heute einige Geistliche, Ordensleute und gläubige Laien sich der Tatsache
gar nicht mehr bewusst sind, dass das II. Vatikanische Konzil die Vulgärsprache
nicht in allen Teilen der Liturgie eingeführt hat.
Forderungen und
Ausdehnung des Gebrauchs der Volkssprache ließen nicht auf sich warten. Auf
eine dringende Forderung seitens einiger Bischofskonferenzen hin genehmigte
Papst Paul VI. zunächst den Gebrauch der Volkssprache bei der Zelebrierung des
Vorspanns der Messe (vgl. Brief des Kardinal-Staatssekretärs vom 27.April
1965), später des ganzen Kanons und der Weihegebete im Jahr 1967.
Schließlich
veröffentlichte die Kongregation für den Gottesdienst am 14. Juni 1971 eine
Verlautbarung, in der festgelegt wurde, dass die Bischofskonferenzen den
Gebrauch der Volkssprache bei allen Messtexten genehmigen konnten und dass
jeder Bischof diese Genehmigung für die chorale oder private Stundenliturgie
erteilen konnte. (zur Gesamtentwicklung siehe A.G. Martimort: Il dialogo fra
Dio e il suo popolo, in A.G. Martimort: La Chiesa in preghiera, I, S.166)
Die Gründe für die
Einführung der Muttersprache sind nicht schwer zu erfassen. Es wurde dadurch
ein besseres Verständnis dessen möglich, was die Kirche betet, denn es ist ja
der brennende Wunsch der Mutter Kirche, dass „alle Gläubigen zu der vollen,
bewußten und tätigen Teilnahme an den liturgischen Feiern geführt werden
möchten, wie sie das Wesen der Liturgie selbst verlangt und zu der das
christliche Volk, … kraft der Taufe berechtigt und verpflichtet ist.“ (SC 14).
Und es ist auch
leicht vorstellbar wie kompliziert und heikel sich die Übersetzungsarbeit
darstellt. Noch schwieriger ist die Frage der Anpassung und Inkulturation vor
allem wenn wir an die Heiligkeit der Sakramentsriten denken, an die
jahrhundertealte Tradition des lateinischen Ritus und an die enge Verbindung
zwischen Glauben und Gottesdienst, der in der alten Formel „lex orandi lex
credendi“ wiedergegeben ist.
Kommen wir nun zu der
leidigen Frage der Übersetzungen der Liturgie in die Volkssprache.
7. Die Übersetzungen in die Volkssprache
Die Übersetzung von liturgischen Texten aus dem lateinischen Original in die verschiedenen Volkssprachen ist ein wichtiges Element im Leben des Gebets der Kirche. Es ist dies nicht eine Frage privaten Gebets, sondern des öffentlichen, von der Heiligen Mutter Kirche geschenkten Gebets, deren Haupt Christus ist.
Die Übersetzung von liturgischen Texten aus dem lateinischen Original in die verschiedenen Volkssprachen ist ein wichtiges Element im Leben des Gebets der Kirche. Es ist dies nicht eine Frage privaten Gebets, sondern des öffentlichen, von der Heiligen Mutter Kirche geschenkten Gebets, deren Haupt Christus ist.
Die lateinischen
Texte wurden sehr sorgfältig im Hinblick auf die Lehre erarbeitet, mit einer
präzisen Diktion, die „in der Sprache genau und von jeder ideologischen Tendenz
frei ist. Im übrigen sollen sie sich durch jene Eigenschaften auszeichnen,
durch die die heiligen Mysterien des Heils und der unversehrte Glaube der
Kirche mit Hilfe der menschlichen Sprache wirksam in Gebet gefasst werden und
Gott, der der höchste ist, der angemessene Kult erwiesen wird“. (Liturgiam
Authenticam, 3).
Die in der heiligen
Liturgie verwendeten Worte demonstrieren den Glauben der Kirche und sind von
ihr geleitet. Die Kirche muss daher bei der Organisation, Erarbeitung und
Genehmigung der Übersetzung große Sorgfalt anwenden, sodass auch nicht ein
einziges unpassendes Wort von einem Individuum in die Liturgie eingebracht
werden kann, die vielleicht einen persönlichen Zweck damit verfolgt oder ganz
einfach sich nur des Ernstes der Riten bewusst ist.
Deshalb sollen die
Übersetzungen dem lateinischen Originaltext getreu sein. Es dürfen keine freien
Kompositionen sein. In der Liturgiam Authenticam heißt es dazu: „dass die
Übersetzung der liturgischen Texte der römischen Liturgie nicht in erster Linie
ein kreatives Werk ist, sondern vielmehr erfordert, die Originaltexte in die
Volkssprache getreu und genau zu übertragen“ (Nr. 20)
Der Geist des
lateinischen Ritus sollte gewahrt bleiben. Die dreifache Wiederholung ist eine
seiner Merkmale. Beispiele sind: „mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa“;
„Kyrie Eleison, Christe Eleison, Kyrie Eleison“; „Agnus Dei qui tollis...“ -
dreimal. Ein aufmerksames Studium des „Gloria in Excvelsis Deo“ lässt ebenfalls
„Dreifachformeln“ entdecken. Diese dürfen in den Übersetzungen weder entfernt
noch sinnentleert werden.
Die lateinische
Liturgie drückt nicht nur Fakten aus, sondern auch Gefühle, Empfindungen
beispielsweise angesichts der Transzendenz Gottes, seiner Herrlichkeit, seiner
Barmherzigkeit und seiner unendlichen Liebe (vgl. Liturgiam Authenticam, 25).
Ausdrücke wie „Te igitur, cementissime Pater“, „Supplices te rogamus“,
„Propitius esto“, „veneremur cernui“, „Omnipotens et misericors Dominus“, „nos
servi tui“, dürfen nicht durch eine ikonoklastische Übersetzung entleert oder
demokratisiert werden.
Einige dieser
lateinischen Formeln sind schwer zu übersetzen. Bessere Experten im Bereich der
Liturgie, der Klassiker, der Patrologie, Theologie und Spiritualität, sowie im
Bereich von Musik und Literatur sind erforderlich, damit Übersetzungen
entstehen können, die auf den Lippen der Heiligen Mutter Kirche schön klingen.
Die Übersetzungen sollten Ehrerbietung, Dankbarkeit und Anbetung gegenüber der
transzendenten Macht Gottes und des menschlichen Dürstens nach Gott
widerspiegeln, die in den lateinischen Texten ganz klar zum Ausdruck kommen.
Papst Benedikt XVI.
hat in seiner Botschaft für die Versammlung des englischen Komitees von „Vox
Clara“ am 9. November 2005 von Übersetzungen gesprochen, denen es gelingt die
Schätze des Glaubens und die liturgische Tradition im spezifischen Kontext
einer demütigen und ehrerbietigen Eucharistiefeier zu vermitteln.“ (aus:
Notitiae, 471-472; November-Dezember 2995, S. 557).
Viele liturgische
Texte sind reich an Bibelzitaten, Zeichen und Symbolen; enthalten Gebetsmodelle
die auf die Psalmen zurückgehen. Der Übersetzer darf dies nicht außer Acht
lassen.
Eine heute von
Millionen Menschen gesprochene Sprache besitzt zweifellos viele Nuancen und
Variationen. Es besteht ein Unterschied zwischen dem Englisch, das in der
Verfassung eines Landes verwendet wird, dem von einem Staatspräsidenten
gesprochenen, der Umgangssprache von Hafenarbeitern oder der Sprache von
Studenten oder der Unterhaltungssprache von Eltern und Kindern.
Die Art sich
auszudrücken kann nicht dieselbe in all diesen Situationen sein, auch wenn sich
alle des Englischen bedienen. Welche Form sollte bei den liturgischen
Übersetzungen angewandt werden? Ohne Zweifel sollte die Volkssprache in der
Liturgie verständlich und leicht aussprechbar und begreiflich sein.
Gleichzeitig sollte sie aber auch würdig, klar, fest und nicht häufigen
Veränderungen ausgesetzt sein.
Sie dürfte sich nicht
scheuen auch Worte zu verwenden, die im allgemeinen Sprachgebrauch nicht häufig
vorkommen, oder auch Worte, die mit dem katholischen Glauben und Gottesdienst
assoziiert sind. So sollte man „Kelch“ sagen und nicht einfach „Becher“;
„Patena“ und nicht „Teller“; „Ziborium“ und nicht „Gefäß“; „Geistlicher“ und
nicht „Gottesdienst Abhaltender“; „Heilige Hostie“ und nicht „geheiligtes
Brot“; „Gewand“ und nicht „Kleid“.
Deshalb bekräftigt
die Liturgiam Authenticam: „Weil die Übersetzung den unvergänglichen Schatz der
Gebete in einer Sprache wiedergeben muss, die im jeweiligen ‚kulturellen
Zusammenhang’ verstanden werden kann, soll sie sich auch von der Überzeugung
leiten lassen, dass das wahre liturgische Gebet nicht nur vom Geist der Kultur
geprägt wird, sondern dass es selbst zur Prägung der Kultur beiträgt. Deshalb
verwundert es nicht, dass es von der Umgangssprache abweichen kann.“ (Nr. 47).
Verständlich soll
nicht heißen, dass jedes Wort von allen unmittelbar verstanden werden kann.
Betrachten wir aufmerksam das Credo. Es ist ein „Symbol“, eine feierliche
Erklärung, die unseren Glauben zusammenfasst. Die Kirche musste erst einige
Generalkonzilien einberufen um eine präzise Artikulation einiger Artikel
unseres Glaubens zu erreichen.
Nicht alle Katholiken
verstehen in der Messe sofort und vollständig manche der katholischen
liturgischen Formen, wie zum Beispiel die Inkarnation, die Erschaffung, die
Passion, die Wiederauferstehung, die Wesensgleichheit mit dem Vater die vom
Vater auf den Sohn übergeht, die Wandlung, die reelle Gegenwart und der
allmächtige Gott. Und dies ist nicht eine frage des Englischen, Französischen,
Italienischen, von Hindi oder Swahili.
Die Übersetzer dürfen
nicht zu Ikonoklasten werden, die der Reihe nach das zerstören oder
beeinträchtigen, was sie übersetzen. Nicht alles kann während der Liturgie
erklärt werden. Die Liturgie erschöpft nicht die gesamte Handlung der Kirche
(vgl. Sacrosanctum Concilium, 9). Es ist auch Theologie nötig, Katechese und
Predigt. Und auch im Falle einer guten Katechese bleibt ein Mysterium unseres
Glaubens doch immer ein Mysterium.
In Wirklichkeit
können wir sagen, dass das Wichtigste am göttlichen Kult nicht darin besteht
jedes Wort oder jeden Begriff zu verstehen. Nein; das Wichtigste ist, dass wir
eine Haltung der Ehrerbietung und der Furcht vor Gott annehmen, dass wir
anbeten, loben und danken. Das heilige, die Dinge Gottes müssen ohne
vorgefasste Meinungen angegangen werden.
Im Gebet ist Sprache
zu allererst ein Kontakt zu Gott. Ohne Zweifel dient die Sprache auch der
verständlichen Kommunikation zwischen menschlichen Wesen. Aber der Kontakt zu
Gott hat Vorrang. In der Mystik nähert sich dieser Kontakt dem
Unaussprechlichen, dem mystischen Schweigen wo es keine Sprache mehr gibt, und
erreicht es zuweilen auch.
Es ist also nicht
erstaunlich, dass die liturgische Sprache sich in gewisser Hinsicht von unserer
Alltagssprache unterscheidet. Die liturgische Sprache versucht das christliche
Gebet auszudrücken, in dem die Mysterien Christi zelebriert werden.
Gleichsam zur
Zusammenfassung dieser verschiedenen, für gute liturgische Übersetzungen
notwendigen Elemente gestatte ich mir die Rede von Papst Johannes Paul II. vor
den amerikanischen Bischöfen aus Kalifornien, Nevada und Hawaii während ihres
Besuches in Rom 1993 zu zitieren. Der Papst bat sie die Ganzheit der Lehre und
die Schönheit der Originaltexte beizubehalten.
Eine unserer
Verantwortlichkeiten in dieser Hinsicht besteht darin angemessene Übersetzungen
von den offiziellen liturgischen Büchern zu liefern, sodass sie nach
Überprüfung und Bestätigung seitens des Heiligen Stuhls als Werkzeug und
Garantie für ein echtes Aufgehen im Mysterium Christi und der Kirche dienen
können. Lex orandi, lex credendi.
Vordringlichste
Aufgabe der Übersetzung ist es darauf zu achten, dass die Integrität der Lehre
vollständig beibehalten wird und - je nach dem Genius der einzelnen Sprachen -
auch die Schönheit der Originaltexte. Wenn so viele Menschen nach dem
lebendigen Gott dürsten - dessen Macht und Barmherzigkeit Zentrum des
liturgischen Gebets sind - so muss die Kirche mit einer Sprache des Lobes und
des Kultes antworten, die die Achtung und Dankbarkeit für die Größe Gottes ,
für sein Erbarmen und seine Macht herausstellt. Wenn sich die Gläubigen zur
Feier des Werkes unseres Erlösers zusammenfinden, soll die Sprache des Gebets -
frei von theoretischen Zweideutigkeiten oder theologischen Einflüssen - die
Würde und Schönheit der Feier selbst betonen und dabei getreu den Glauben der
Kirche und ihre Einheit wiedergeben. (Aus: Lehren von Johannes Paul II., XVI, 2
, 1993; S. 1399-1400).
Aus diesen
Überlegungen folgt, dass die Kirche eine aufmerksame Autorität gegenüber den
liturgischen Übersetzungen ausüben muss. Die Verantwortung für die Übersetzung
von Texten liegt bei der Bischofskonferenz, die die Übersetzungen dem Heiligen
Stuhl zur notwendigen Genehmigung unterbreitet (vgl. SC 36; C.I.C. Can. 838;
Lit. Authenticam, 80).
Das hat zur Folge,
dass kein Individuum - nicht einmal ein Geistlicher oder Diakon - befugt ist
die in der heiligen Liturgie genehmigte Diktion zu verändern. Und das
entspricht auch dem gesunden Menschenverstand. Manchmal aber ist dieser gesunde
Menschenverstand nicht besonders verbreitet. Deshalb musste Redemptionis
Sacramentum ausdrücklich sagen, dass „jener tadelnswerte Brauch beendet wird
mit dem Priester, Diakone oder auch die Gläubigen nach eigener Willkür hier und
dort die von ihnen gesprochenen Texte der heiligen Liturgie verändern. Auf
diese Weise machen sie in der Tat die Feier der heiligen Liturgie instabil und
nicht selten verändern sie deren authentischen Sinn.“ (vgl. Red. Sacramentum,
59 s. auch Istruzione Generale sul Messale Romano Nr. 24)
8. Was wird von uns erwartet?
Zum Abschluss dieser Überlegungen können wir uns fragen, was von uns erwartet wird. Wir sollten unser Bestes tun um die Sprache zu schätzen, die die Kirche in der Liturgie verwendet, und unsere Herzen und Stimmen gemäß den Vorgaben eines jeden liturgischen Ritus vereinen. Nicht alle können Latein, aber die gläubigen Laien können zumindest die einfachsten Formeln auf Lateinisch lernen.
Zum Abschluss dieser Überlegungen können wir uns fragen, was von uns erwartet wird. Wir sollten unser Bestes tun um die Sprache zu schätzen, die die Kirche in der Liturgie verwendet, und unsere Herzen und Stimmen gemäß den Vorgaben eines jeden liturgischen Ritus vereinen. Nicht alle können Latein, aber die gläubigen Laien können zumindest die einfachsten Formeln auf Lateinisch lernen.
Die Geistlichen
müssten mehr Aufmerksamkeit dem Lateinischen schenken und hin und wider eine
Messe auf Lateinisch zelebrieren. In den großen Kirchen, in denen an Sonn- und
Feiertagen viele Messen gelesen werden, könnte man doch eine davon auf
Lateinisch zelebrieren?
In den
internationalen Versammlungen ist das lateinische noch wichtiger. Daraus folgt,
dass in den Priesterseminaren die Ausbildung der Geistlichen auch sorgfältig
den Gebrauch des Lateinischen beinhalten muss. (vgl. Oktober 2005,
Bischofssynode, Vorschl. 36).
Alle diejenigen, die
für Übersetzungen in die Volkssprache verantwortlich sind, sollten sich darum
bemühen ihr bestes zu geben und dabei nach dem Führer der Kirchendokumente und
insbesondere nach der Liturgiam Autenticam, vorgehen. Die Erfahrung lehrt, dass
es nicht überflüssig ist festzustellen, dass alle diejenigen, die liturgische
Texte rezitieren, diese klar und mit der nötigen Ehrerbietung lesen müssen.
Sprache ist nicht
alles. Aber sie ist eines der wichtigsten Instrumente, die große Aufmerksamkeit
verdienen, damit gute Zelebrierungen auch schön und reich an Glauben sind. Es
ist eine große Ehre für uns im öffentlichen Gebet Teil der Stimme der Kirche zu
sein. Die heilige Jungfrau Maria, Mutter des menschgewordenen Wortes, dessen
Geheimnisse wir in der heiligen Liturgie feiern, möge für uns die Gnade
erwirken, dass wir mit unserem Gesang zum Lob des Herrn sowohl in lateinischer
Sprache als auch in der Volkssprache beitragen können.
† Francis Kardinal
Arinze
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